(vpod) Das Akutspital Menziken soll schliessen. Der stationäre Akutbetrieb fällt weg, der heutige Operationsbetrieb ebenfalls. 149 von 303 Mitarbeitenden sollen die Kündigung erhalten. Für den VPOD Aargau/Solothurn zeigt dieser Entscheid, was passiert, wenn Gesundheitsversorgung wie eine einzelbetriebliche Verlustrechnung behandelt wird: Am Ende verschwinden nicht nur Zahlen aus einer Bilanz, sondern Sicherheit, Nähe und Arbeitsplätze aus einer ganzen Region.
Das Spital Menziken wirbt mit «Mir läbed Nöchi». Nun soll ausgerechnet diese Nähe verschwinden. Was angekündigt wurde, sei kein kleiner Umbau, keine Modernisierung mit anderem Namen und keine harmlose Verschiebung von Angeboten, so der VPOD. Das obere Wynental verliere sein Akutspital. Eine Hausarztpraxis, ein Ambulatorium, der Rettungsdienst und eine Walk in Praxis können wichtig sein. Aber sie ersetzen kein Akutspital. Sie ersetzen keine stationäre Versorgung. Und sie ersetzen nicht das Vertrauen einer Region, dass Hilfe in der Nähe bleibt.
Für den VPOD Aargau/Solothurn ist dieser Entscheid keine gewöhnliche Betriebsmeldung. Auch ein privatrechtlich organisiertes Regionalspital erfüllt eine öffentliche Aufgabe. Genau darin liegt der Kern des Problems: Die Verantwortung ist öffentlich, die Folgen sind öffentlich, aber entschieden wird am Ende entlang einer betriebswirtschaftlichen Logik, die für die Bevölkerung nur eine Sprache kennt: weniger Angebot, längere Wege, mehr Unsicherheit.
Besonders hart treffe der Entscheid das Personal. Voraussichtlich 149 von 303 Mitarbeitenden sollen die Kündigung erhalten, darunter 20 Lernende und Studierende. Diese Menschen hätten das Spital nicht als Bilanzposten erlebt, sondern als Arbeitsalltag: Frühdienste, Spätdienste, Nachtdienste, Verantwortung am Bett, im Rettungsdienst, in Pflege, Therapie, Küche, Administration und Betrieb. Sie hätten getragen, was jetzt abgewickelt wird. «Das Personal hat dieses Spital nicht in die roten Zahlen geführt. Es hat es am Laufen gehalten. Wer jetzt 149 Kündigungen ankündigt, darf nicht nur bedauern. Er muss Verantwortung übernehmen», sagt Dariyusch Pour Mohsen, Regionalleiter des VPOD Aargau/Solothurn.
Der Fall Menziken lege eine unbequeme Wahrheit offen: Gesundheitsversorgung lässt sich nicht wie ein gewöhnliches Geschäft führen, ohne dass irgendwann die Versorgung selber zur Verhandlungsmasse wird. Ein Akutspital ist keine Filiale. Patientinnen und Patienten sind keine Kundschaft auf einem Markt. Pflege, Rettung, Therapie und medizinische Versorgung sind keine Produkte, die man einfach zurückfährt, wenn sie sich nicht mehr rechnen. Gesundheit ist öffentliche Infrastruktur. Wer sie privatrechtlich organisiert, darf sich nicht aus der öffentlichen Verantwortung verabschieden, sobald die Bilanz rot wird.
Der VPOD fordert deshalb ein Konsultationsverfahren, das diesen Namen verdient. Es dürfe nicht zur höflichen Nachbearbeitung eines fertigen Entscheids werden. Die Vorschläge der Mitarbeitenden und ihrer Vertretungen müssten ernsthaft geprüft werden, bevor Kündigungen ausgesprochen würden. Ebenso brauche es Transparenz darüber, welche Alternativen geprüft wurden, weshalb sie verworfen wurden und wie die Gesundheitsversorgung im oberen Wynental künftig konkret funktionieren soll. Gerade weil es um eine öffentliche Aufgabe geht, reicht der Satz «finanziell nicht mehr möglich» nicht als politische Antwort.
Der VPOD fordert zudem einen Sozialplan, der nicht nach Trostpflaster aussieht, sondern nach Verantwortung. Betroffene Mitarbeitende brauchen faire Abgangsleistungen, Schutz für ältere Beschäftigte, Unterstützung bei Stellensuche und Weiterbildung sowie klare Lösungen für Härtefälle. Wo Angebote am Standort oder durch andere Organisationen weitergeführt werden, müssen bisherige Mitarbeitende bevorzugt berücksichtigt werden. Für Lernende und Studierende braucht es verbindliche Lösungen. Ihre Ausbildung darf durch diese Schliessung keinen Schaden nehmen. Junge Menschen im Gesundheitswesen sind keine Randnotiz im Sozialplan. Sie sind die Fachkräfte, die morgen fehlen, wenn man sie heute im Umbau verliert.
Der VPOD Aargau/Solothurn fordert den Verwaltungsrat, die künftig am Standort verantwortlichen Organisationen, die Gemeinden und den Kanton auf, Verantwortung zu übernehmen. Eine Spitalschliessung ist kein administrativer Vorgang. Sie ist ein Einschnitt in Arbeitsbiografien, Ausbildung und Versorgungssicherheit. Wer jahrelang vom systemrelevanten Gesundheitspersonal spricht, muss jetzt zeigen, dass dieses Wort mehr bedeutet als Applaus in bequemen Zeiten.
Der VPOD Aargau/Solothurn wird die Entwicklung aufmerksam verfolgen und betroffenen Mitgliedern Beratung und Unterstützung anbieten.